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Madame Lenin
            - ein musiktheatrales Ritual

Im Rahmen der Europäischen Kulturtage 2018 präsentiert der junge Kulturverein zeug und quer e. V. das musiktheatrale Ritual „Madame Lenin“. In der 90-minütigen Performance wird die „Utopie“ der Revolution in Frage gestellt: Werden Revolutionen im Nachhinein verklärt? Übersehen wir bei allen Neuerungen (Utopie des „Neuen Menschen“, Technifizierung, Fortschrittsgedanke…) nicht die negativen Auswirkungen der Revolution? Und zusammen mit ihnen die auf der Strecke Gebliebenen, die vom Fortschritt Abgehängten, die in andere Richtung Strebenden, die Nicht-Ideologiekonformen…?


Madame Lenin, „Protagonistin“ des gleichnamigen Stücks von Welimir Chlebnikow (1885-1922), ist gegen ihren Willen Insassin einer psychiatrischen Anstalt. Sie spricht nichts und meidet die anderen Menschen. Die Textvorlage ist konsequent als Introspektion angelegt - anstelle von handelnden Personen treten 13 verschiedene „Stimmen“. Sie geben die Sinneseindrücke und Gedanken Madame Lenins wieder. Ihr Inneres wird geäußert. Die Zuschauer*innen haben Teil an ihren Schmerzen, ihren Ängsten, ihrer Behandlung — und werden Teil Madame Lenins…


Madame Lenin steht im Mittelpunkt einer musikalisch-szenischen Performance, die Übergänge und Grenzen auslotet: semantisch verständliche Sprache wird transrationaler Klang, „Normalität“ wird „verrückt“. Madame Lenin ist eine „Verrückte“ - zumindest in den Augen ihres behandelnden Arztes. Doch wann eigentlich wird Normalität „verrückt“ und somit zum Problem, das behandelt werden muss?
Die Textvorlage hinterfragt Normen und überschreitet Grenzen - und verlangt nach neuen Rezeptionsschauplätzen. Das Thema - Abweichungen von der Norm - ist dabei aktuell wie nie, in einer Gegenwart, in der Leistungsdruck, Magersucht, Burn-Outs unübersehbar übersehen werden wollen.